Archive for the ‘Lake Wanaka’ Category

Adrenalin is legal!


2010
09.23

Nathalie bloggt:

Bestandsaufnahme: Jenso hat Höhenangst, Lena hat keine direkte Höhenangst, aber sobald sie auf einer Leiter steht, kribbelts bei ihr in bestimmten Körperteilen und ich habe  Flugangst – Was machen wir also in Neuseeland? SKYDIVEN! :D Und zwar am schönsten Ort, den wir jemals gesehen haben: Lake Wanaka. Lake Wanaka ist der viertgrößte Binnensee in Neuseeland und direkt neben diesem See liegt gleich ein zweiter großer See, Lake Hawea, in dem es Haie gibt. Ja, richtig gelesen – Haie. Wir wussten es auch nicht, aber Haie können anscheinend auch in Süßwassern leben :) In Wanaka wurden wir vom Skydiving Shuttlebus abgeholt, der mit uns zum Flughafen fuhr. Dort angekommen ging alles super schnell: “Hier ihr müsst dieses Formular ausfüllen, dass wenn ihr euch verletzt oder sterbt, wir keine Schuld tragen.” Check. “So und jetzt Lena und Nathalie ihr springt jetzt gleich zusammen, also hier sind eure Anzüge, bitte überziehen.” Check. “Wer zahlt?”  Check? Jens sollte eigentlich mit seiner Kreditkarte zahlen, woraufhin ihm dann auffiel, dass er seine Gürteltasche mit Geld, Kreditkarte und Reisepass im Magic Bus hat liegen lassen, der schon seit einer halben Stunde wieder auf dem Weg nach Queenstown war. Während Lena und ich bereits – husch,husch – mit unseren Instruktoren bekannt gemacht wurden, kam Rick unser Fahrer mit dem Bus voller Leute wieder zurück, um Jens seine Gürteltasche zu geben. Das war echt super nett von ihm, denn die Fahrer sind schon sehr an ihren Fahrplan gebunden. Aber mit Rick hatten wir einfach den besten Fahrer :)

Währen Jens nun also unsere Flüge zahlte, wurde Lena von “ihrem” Springer darüber aufgeklärt, dass er gestern definitiv zu viel getrunken hatte und an einem sehr üblem Hangover leidet – sehr beruhigend ;) Mein Springer war zum Glück schon soo alt, dass man ihn normalerweise nicht mehr abends auf der Piste trifft :D Gut für mich Angsthasen :) Lena und ich saßen dann auch schon hopplahopp im klitzekleinen Flugzeug und ehe wir uns richtig hingesetzt hatten, waren wir auch schon in der Luft. Zu diesem Zeitpunkt ist man noch nicht an die Gurte seines Springers angeschnallt – was ein kleines mulmiges Gefühl aufkommen lässt. Festgezurrt wird man dann im Flugzeug, wo dein Intructor dir dann auch den schicken Lederhelm und die Brille aufzieht. In Lenas Fall eine leuchtend rote Lederkappe und eine viel zu fest sitzende Brille :) Lenas Springer hatte eine Handkamera dabei und schoss während des ganzen Fluges munter Fotos  von uns, in der Hoffnung, dass Lena sie ihm später abkaufen würde, was sie nicht tat (vermuteter Grund: die eben erwähnte schicke rote Kappe und Brille) und jetzt bereut…tja da bleibt nur eins: Wir müssen halt nochmal springen :D Und diesmal natürlich nur mit entsprechendem Äußeren ;)

Als wir dann die richtige Höhe -12.000 feet (ca. 3,6 km) – erreicht hatten, ging die Tür auf und es wurde schlagartig so kalt, dass man seinen eigenen Atem sehen konnte. Nach und nach fielen dann alle Springer wie Lemminge aus dem Flugzeug, wobei das Flugzeug jedes Mal einen kleinen Ruck machte, da es immer leichter wurde. Ich war die letzte Springerin und durfte mit angucken wie sich meine kleine Schwester todesmutig aus dem Flugzeug stürzte :) Als ich dann an der Reihe war musste ich vorne bis zur Tür robben, mich auf die Flugzeugkante setzen und meine Beine von außen unter den Flugzeugrumpf klemmen, Kopf nach hinten legen und warten. Für mich eine kleine Ewigkeit, denn ich hatte sooooo Lust aus diesem Flugzeug zu springen. Plötzlich merke ich wie mein Instructor langsam nach vorne kippt und dann – fallen wir und fallen und purzeln kopfüber mit 200 km/h der Erde entgegen – welch ein Rausch. Dieses Gefühl aus dem Flugzeug zu springen und ins Nichts zu fallen ist unbeschreiblich. Es ist das Beste was ich je erlebt habe :D Nach ein paar Sekunden durfte ich meine Arme öffnen was uns zwei ein wenig stabilisierte, bis ich eine Wolke auf uns zukommen sah und sobald wir in der Wolke waren, drehte mein Springer mit mir wahnsinnige Kreise und das alles im freien Fall! Kaum aus der Wolke raus zeigte er mir einen kreisförmigen Regenbogen, der vor einer anderen Wolke sichtbar wurde und dann konnten wir die Landschaft sehen! Wahnsinn! Wir sahen Ketten von Schneebergen, darunter Mt. Cook, den höchsten Berg Neuseelands, die beiden Seen und einen türkisen Fluss, dessen Wasser so klar ist, dass man sogar aus dieser Höhe bis auf den Grund sehen kann. Nach 45 Sekunden Freefall wird dann der Schirm geöffnet, es gibt einen kleinen Ruck und man hängt im Schirm. Jens wurde bei seinem Sprung in genau diesem Moment von seinem Instructor mit den Worten: “Welcome to my office!” begrüßt. :D Sobald der Schirm komplett geöffnet ist, lockerte mein Instructor die Gurte die mich festhielten mit “Keine Angst, ich will nur dass du wieder atmen kannst”, was dazu führt, dass man noch einmal in den Schirm fällt. Während ich dann im Schirm hing, sah ich wie Lena unter mir mit ihrem Springer große Kreise drehte. Mein Springer schaut mich an, schaut nochmal runter und fragt: “Willst du auch?” Was für eine Frage – na klar will ich auch :D Wir drehten also einige Kreise, rauschten an Lena vorbei und landeten dann ganz sanft wieder am Flughafen Mein Springer klinkt mich aus und ich laufe zu Lena und wir fallen uns völlig ausser Atem und glücklich wie nie in die Arme. Wir waren voller Adrenalin und strahlten über beide Ohren. Jens empfing uns und wurde sogleich von uns zugetextet. Lena und ich genehmigten uns nach dem Sprung erstmal ein Bier. Das beste Bier, dass ich je hatte. Wir hatten es geschafft :) Jetzt war nur noch Jens an der Reihe, der auch schon in seinem Anzug steckte. Er musste noch eine Runde Springer abwarten, dann war er an der Reihe. Als Jens über uns aus dem Flugzeug fiel, konnten wir ihn bis unten schreien hören:) Als er dann wieder am Boden war, strahlte er genauso wie wir und schwärmte von der “schönsten Landschaft, die er je gesehen hat”. Auch Jens genehmigte sich erstmal ein Bier . Stephen, ein andere Springer, brachte noch zwei Flaschen Wein und so veranstalteten wir eine kleine Spontanparty am Flughafen. Zur Erinnerung an dieses Erlebnis haben wir uns dann noch jeder ein Kleidungsstück im Skydiveshop gegönnt :D

Danach ging es mit dem Skydiveshuttle zurück nach Wanaka, von wo aus wir den local bus nach Queenstown nahmen. Unser ursprünglicher Plan am Morgen war abends in Queenstown unseren Sprung groß feiern zu gehen – letztendlich hat unsere Kraft jedoch nur noch für ein indisches Essen und ein Bier im Pub gereicht :) Aber glücklicher als an dem Abend sind wir glaube ich noch nie eingeschlafen :D